Ötaat? Wer ist das? Was ist das?
Eine Ente - halt sag nie nur eine Ente, denn sie hat Charakter, sie als einfache Plastikente von nicht mal fünf Zentimetern Fußlänge zu bezeichnen, dass wäre schon eine Ungeheuerlichkeit.Sie ist schließlich auf diese Welt gekommen, um der Menschheit Freude zu bringen, zu zeigen: Freut euch wie die Kinder, lacht und spielt mit ihr, lasst mit euch die Welt erobern, und vor allem: Lasst sie in euer Herz.
Ötaat, warum heißt eine Ente Ötaat? Wenn die sie für dich gewinnen willst, dann spreche ihren Namen richtig aus: Das „Ö“ ist ganz wichtig und darum muss es ganz lang gesprochen werden, es muss tief aus dem Bauch heraus kommen, vom Grund deiner Seele.
Wer ihr den Namen gegeben hat, willst wissen? Wer anderes als ein Kind – ein Kind mit einer geistigen Behinderung, wäre wohl in der Lage, einen solchen Namen zu kreieren? Wer könnte diesen Laut von tief aus seiner Seele holen?
Dieses Kind hatte eine Betreuerin, die für das Kind hieß sie einfach nur Ötaat und so heißt nun auch die Ente auch, denn es gibt viele Parallelen zwischen der kleinen und der großen Ötaat, da wäre als erstes der Hahnenkamm, der signalisiert: immer bereit zum Kampf für das Gute. Beide können ihre Flügel weit ausbreiten und durch die endlosen Weiten der Phantasie fliegen. Wer sie zum Freund hat, der hat gut lachen, glaub mir: mehr brauchst du nicht. Aber wer sie zum Feind hat, der hat schon verloren...Da kann es dir passieren, dass sie hoch über dir unter sich lässt – das hat bisher nur die kleine Ötaat gemacht.
Wo kommt Ötaat her, will du wissen? Du glaubst doch wohl nicht, dass man diese besondere Ente irgendwo kaufen kann? Nein, das geht natürlich gar nicht – sicher hast du es schon geahnt.
Eben dieser großen Ötaat lief Klein-Ötaat auf Norderney am 26. Juli 2014 um die Mittagszeit über den Weg. Nein, Klein-Ötaat stand plötzlich da, dann hatte Groß-Ötat Klein-Ötaat auf der Hand und seitdem sind sie zusammen. Es war Groß-Ötaat ausgesucht hat und nicht umgekehrt, da legen beide großen Wert drauf.
Ob Klein-Ötaat ein Männchen oder Weibchen ist, willst du wissen? Ötaat weiß es nicht so genau, ist ihr auch egal und nachgeschaut hat sie auch nicht. Sie denkt aber wie Mädchen, das behinderte Kind war schließlich auch ein Mädchen, sollte doch nun auch alles klar sein, oder?
Ein Tipp noch: Leg dich nie mit Ötaat an - weder mit der großen, noch mit der kleinen Ötaat, sonst denkst du hinter her: der alte Hindenburg hätte dich gegrüßt.
Kleinheit ist die perfekteste Tarnung die die Evolution je hervorgebracht hat; ein Wolf im Schafspelz ist harmlos dagegen, eher trifft der Ausbruch des Eyjafjallajökull auf Island zu; dessen Ascheregen ließ auf der Nordkugel im Sommer 2011 den kompletten Flugverkehr zum Erliegen kommen.
Aber keine Angst: Ötaat ist nicht cholerisch oder sprunghaft, fast immer lieb und Ötaat hat beschlossen, die schöne, weite Welt zu bereisen und sie hat uns freundlicherweise gestattet, sie zu begleiten.
Als Ötaat endlich ihr Visum zum Verlassen der Insel Norderney bekommen hat, hat sie sich zuerst auf dem ostfriesischen Festland breit gemacht. Aber was erzähle ich das alles, ich lass Ötaat mal selber erzählen, sie brennt schon darauf, ihre Sicht der Dinge kund zu tun, sie hat eine wirklich beeindruckende Fantasie. Und wenn diese mal (wieder) mit Ötaat durchgeht, werde ich mich diskret einmischen.
Moin, so sagt man hier im Norden und mehr brauchst du auch nicht, egal ob am Morgen, Mittag oder Abend: einfach nur Moin. Klar und knapp, so wie die Menschen hier sind.
Also ich bin Ötaat, wer bist du? Ist doch egal, wer bist - weißt weißt du eigentlich selber wer du bist? Na, wir wollen nicht philosophieren, aber manchmal, da geht es mir einfach mit mir durch, da komme ich mit einen philosophischen Seitenhieben, aber es wird nur zu deinem Besten sein, versprochen.
Also, heute hat man mich nach Esens verschleppt, nicht das ich nicht gewollt hätte, nein, man hätte mich fragen sollen. Wie immer hat man mich in eine dunkle Fahrradtasche verpackt, was soll das? Ob die Angst haben, ich bekomme einen Sonnenbrand? Das müssen wir mal ändern, da müssen wir mal reden.
Das muss man sich mal vorstellen: eine Stunde auf einem schaukelnden Fahrrad mit dem sinnigen Namen Luzy, na schon der Name, ich fühlte mich wie auf einem Höllenritt.
Als ersten hat man mich auf so einen blöden Bären gesetzt, das soll das Wappentier von Esens sein, ist mir auch egal, ich bin doch ganz schwindelig von der Schaukelei und schwindelfrei bin ich auch nicht, mir macht es Spaß, dich mal hin und wieder anzuschwindeln.
Aber ich denke: ich habe doch eine gute Figur gemacht, oder besser: Gute Mine zum bösen Spiel. Kaum hatte ich mich von dem Schreck erholt und ich dachte: Schlimmer kann es doch gar nicht kommen - aber es kam schlimmer: Ich flog so fröhlich flötend durch Esens, freute mich an dem schönen Wetter und dann wäre ich fast im Kochtopf gelandet!
Ente süß-sauer! Wer denkt sich sowas aus? Aber ich sage nur: Menschen! Die essen ja auch Eisbein, falschen Hasen, nur bei Hirn, da rümpfen sie die Nase! Fehlt sonst noch was?
Wo waren meine Bodygards, als ich sie mal brauchte? Stehen vor einem Geschäft und flirten mit einem Frosch! Die werden doch wohl nicht? Ich raste aus! Doch, sie tun es! Sie haben das Mistvieh eingepackt!
Die Sorte kenn ich: erst freundlich grinsen und dann rum quaken! Nicht mit mir! Mir stehen die Haare zu Berge, mir schwillt der Kamm an!
Ich soll ihn doch wenigstens mal angucken, hör ich grade. Wohl möglich soll ich noch einen Frosch küssen, nach nee! Aber, vielleicht ist er ja ein verzauberter Märchenprinz? So schlecht sieht er ja auch nicht aus.
Seine gehauchten, ersten Worte waren: „Ich heiße Schilli. Und wer bist du, schöner Paradiesvogel?“
Mir blieb die Luft weg, das kann ja heiter werden
„Ötaat, mein Name, mit lautem Ö und langem ahh.“
Stil hat er ja: Er hat mich gleich in das beste Restaurant in Neuharlingersiel eingeladen. Es gab weder Ente süß-sauer noch Froschschenkel.
Es gab tote Kuh an Tomate.
Ja, die alte Weisheit, dass man Distanzen bei einem guten Essen überwinden kann, diese Weisheit hat sich auch hier bestätigt.
Vorsichtig begann ich einen Dialog: „Du hast aber einen komischen Namen: Schilli, wer hat dir denn den verpasst?“
„Den habe ich mir selber verpasst.“
„Du flunkerst.“
„Nein, den hab ich mir in meinem letzten Leben ausgesucht.“
„Ich lach mich weg, wer hat dir denn den Schwachsinn aufgebunden? Oder bist du ein verzauberter Prinz?“
Das Essen war wirklich ganz vorzüglich, wir haben uns gut unterhalten. So ganz beiläufig machte mir der Schwerenöter den Vorschlag, doch mal kurz bei seiner Familie vorbei zu schauen. Die seien ganz in der Nähe, die machen gerade eine Tournee durch Ostfriesland.
Ich war doch neugierig, was mögen das wohl für Leute, sein, die eine Tournee machen? Etwa Zirkusleute?
Aber Schilli hüllte sich in schweigen, großes Geheimnis, man darf nicht darüber reden, ich solle einfach mitkommen. Dann würde er mich seiner Familie vorstellen, zögerlich folge ich ihm.
Ich hatte ja mit allem gerechnet, aber das war zu viel!
Die United Dwarf Group, alles Nachfahren der Schlümpfe.
Man kann sie einfach rufen, dann kommen sie und machen alles, was grade zu tun ist: Sie misten den Stall aus, fegen die Wege, spielen Musik für die Menschen, waschen die Wäsche, bügeln, eben alles, was Heinzelmännchen so drauf haben. Sie haben manchmal etwas eigenwillige Vorstellungen davon, was grade angebracht ist, aber wehe, du bist nicht mit ihrem tun einverstanden: dann werden sie schnell böse und sie verwüsten alles, was ihnen in die Quere kommt. Darum überlege dir gut, ob du sie rufst.
Es war ein schöner Tag und am besten war die Livemusik vor dem Zelt von Opa Knuddel und der selbst gebrannte Schnaps von Witch Oma Hag, ach das Leben kann so schön sein.
Sie meinte dann am nächsten Morgen: So eine Chaosente hätte ihnen gerade noch gefehlt, ob ich mich nicht ihnen anschließen wollte. Ich lehnte dankend ab, ich mach mein Ding lieber allein, ich bin mir sicher: dieser Truppe laufe ich bestimmt noch mal über den Weg.
Dienstag, 26. August 2014
Wie immer wurden wir in den dunklen Fahrradkorb gesperrt – was nützt es, sich zu beschweren? Nix!
In Harlesiel hat man uns wieder raus gelassen. Wenigstens ist schöner Sonnenschein. Der Freund von Schilli, der Wetterfrosch hat es mir ja versprochen: es gibt heute nur Sonne bis zum Abwinken.
Na, ist gut, wenn man solche Beziehungen hat.
Aber muss sich Schilli darum auf einen hohen Thron setzen? Und meinen Kaffee musste ich mir auch selbst holen, hier ist Selbstbedienung - ach Männer.
Na, wenigstens hat er mir einen Strandkorb gemietet, heute mal so richtig relaxen.
Manchmal verstehe ich meine Zieheltern nicht: setzen sie uns neben einen Penner.
Nicht nur das der Typ eine Fahne zum Umfallen hatte, nein, er hatte auch noch Schweißfüße, die bis zum Himmel stanken.
Und ich dachte: schlimmer geht nimmer, ach ich hätte es wissen müssen, es kam schlimmer!
Denn dann hat mich dieser Typ von Frosch in eine Spelunke namens: Kuddeldaddeldu verschleppt!
Bei einem Calpiriha kann man so einiges erfahren... Nicht das ich neugierig wäre, oh nein, aber der Typ mir doch alles freiwillig erzählt erzählt - na, jedenfalls fast freiwillig.
"Kann sowieso jeder wissen", hat er gesagt, also erzähl ich es euch mal.
Das Positive zuerst: Sein Bruder ist der berühmte Wetterfrosch Jörg Kachelfrosch, ja zu dem hat Schilli einen guten Draht, wie man ja am momentanen Wetter sieht.
Das wars schon mit dem Positiven. Die zwei haben schon so manchen Krug zusammen geleert, meist mit ihrem etwas aus der Art geschlagenen Halbbruder Baltasar, einem bekehrten Missionar. Früher musste er sich damit begnügen, heimlich den Messwein zu stibitzen. Heutzutage ist er zum Bierkönig von St. Pauli auf Lebenszeit ernannt worden – klerikales Pennerglück.
Ich glaube: Das Schluckgen, das teilt er mit seinem Bruder Balthasar, schaut ihn euch nur an, ich glaube: Er zwei Schluckgene bekommen.
Und dann kam, was kommen musste: Er lässt diesen blöden Spruch ab:
„Sind deine Eltern Terroristen? - Du bist scharf wie eine Bombe.“
Darauf ich: „Ich glaube, bei dir grade ist eine Stinkbombe unter deinem Sitzkissen explodiert, du alter Stinkfrosch.“
Er: „Du siehst so süß aus, wenn du wütend bist, dein Hahnenkamm leuchtet dann so schön.“
Diese Art Männer kann man einfach nur im Suff ertragen. Ich hab ihn anständig geschädigt, als die Bar geschlossen wurden, auch noch ein Absacker genehmigt.
Weit sind wir nicht mehr gekommen...
Genau bis zum Strand, irgendwie haben wir die Orientierung verloren...
Ach, was solls? Schöner Sonnenuntergang, Friede, Freude Eierkuchen, gute Nacht.
Mittwoch, 27. August 2014
So wie der Abend endete, so begann er auch: Mit Sonnenschein und Kopfschmerzen. Aber heute wollen ganz einmal vernünftig sein.
Das Wetter ist doch herrlich, heute wollen wir mal den schönen Hafen hier in Neuharlingersiel erkunden.
Einfach mal unauffällig bleiben. Wir wären nicht Ötaat und Schilli, es kam anders.
Es gibt ja so viel zu sehen, hier im schönen Hafen von Neuharlingersiel.
Es ging uns schon wieder richtig gut, die frische Luft wirkte Wunder. Wir wollten eine Butterfahrt machen, man kann mit dem Kutter rausfahren und Krabben fangen, das ist doch was leckeres, das mögen Frosch und auch Ente.
Und wir könnten wir Bruder Balthasar neuen Wein und Glimmstengel besorgen. Der blöde Kapitän wollte uns nicht mitnehmen, die Schwimmwesten würden nicht passen, alles Blödsinn!
Dann hauen wir uns eben hier an Land den Bauch voll.Wir haben uns für Fischsuppe und Gemüseeinlauf entscheiden.
Der Frosch ist vielleicht verfressen. Und dann sagte er noch auf seine dröge Art: „Küss mich, ich bin ein verzauberter Restauranttester.“
Zuerst dachte ich noch: Der kann sich seinen Einlauf – äh Auflauf irgendwo hin schieben, der blöde Fresssack. Aber mal ehrlich: Kann man so einen Frosch, der so lieb gucken kann, böse sein?
Donnerstag, 29. August 2014
Och – heute machen wir mal nix
Nur mal gucken, das wird ja wohl noch erlaubt sein. Aber eine kleine Runde fahren, das machen wir mal. Ich bin jahrelang eine Ente gefahren und nie habe ich es geschafft, sie um zu werfen.
Aber, so ein bisschen möchte ich doch mal aufdrehen, nur damit dem Frosch mal das blöde grinsen vergeht.
Und wie ich Gas gegeben habe, der Frosch wurde ganz bleich, als ich die Strandenten von der Straße fegte.
Nur eine lies sich nicht abwimmeln: Mit flatternden Türen und Fenstern raste sie im Tiefflug hinter uns her, die Polente.
Ich schickte den Frosch mal in die Dünen zum Pipi machen, ich musste mal ein Wort unter vier Entenaugen führen. Glück gehabt: Die Polente drückte beide Augen zu.
Wir haben doch nix gemacht.
Es war ganz schön staubig gewesen, ein Rachenputzer täte jetzt gut.
Und dann landeten wir in der Strandbar, zum Glück stoppte uns die Theke und wir konnten uns bei einigen Zombies Geschichten aus der guten, alten Zeit erzählen. Ach ja, gemütlich war es doch.
Und der Weg nach Hause war auch schön: Zu Fuß den Sternenhimmel bewundern, Volks- und Trinklieder singen.
Aus vollen Hals quäkte der Frosch:
"Silence is Golden"
,als er schwankend über den Asphalt schwebte.
Ja: manchmal ist Schweigen wirklich besser.
Schade, Flash läuft nicht mehr über Handy, kann ich nix machen.
Freitag, 29. August 2014
BadetagNach dem gestrigen Abend wirkt ein ausgedehntes Vollbad Wunder, dazu die frische Luft und wir sind wieder fit, wie in alten Zeiten; schließlich wollen wir Morgen sauber nach Hause fahren.
Wir haben viel erlebt, viel Seemannsgarn gesponnen.
Das machen wir im nächsten Urlaub, sicher, jede Menge
Ach ja: Bald geht es nach Bayern, seid ihr dabei?


























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